Göttingenfahrt, XLAB, Bio-LK (Frau König)

Ein Erlebnisbericht von Johanna Schodrowski und Lisa Kossmann aus dem Biologie-LK

Am 30. Mai um 8.33 ging es los: Physik- und Bio-LKler und diejenigen Bredenschüler, die ihren Erdkunde-LK am PLG haben, machten sich auf den "weiten" Weg in Richtung Studentenstadt Göttingen.

Begleitet von Herrn Bischoff und Frau König erreichten wir schon nach 1½ Stunden Zugfahrt unser Ziel und wurden am Bahnhof gleich von einer überwältigenden Masse von Studentenfahrrädern empfangen. Bevor wir unseren Weg in das Schülerlabor XLAB fortsetzten, deponierten wir noch schnell unser Gepäck in der örtlichen Jugendherberge und bezogen auch schon die 6er-Zimmer.

Unser angestrebtes nächstes Ziel war dann endlich das XLAB, ein Experimentallabor für junge Leute und besonders Schülergruppen, in dem unter wissenschaftlicher Betreuung und Anleitung in den Fachbereichen Physik, Chemie, Biologie und Biophysik gearbeitet werden kann. Doch bevor wir auf die Labore losgelassen wurden, schnupperten wir erstmals Studentenluft in der neben dem XLAB gelegenen Mensa, in der wir in den nächsten 3 Tagen für wenig Geld üppige Mittagessen genießen durften. Zufrieden und gesättigt begaben wir uns nach dem ersten Mittagessen wissensdurstig und neugierig in die jeweiligen Fachbereiche. Während die Physiker von nun an von den anderen Schülern getrennt an fachspezifischen Aufgaben arbeiteten, blieben die Geografen an diesem ersten Tag noch bei den Schülern des Bio-LKs, hatten am zweiten und dritten Tag jedoch auch ein eigenes Programm, welches allerdings nicht am XLAB stattfand.

Zunächst einmal wurden wir von sehr freundlichen und hilfsbereiten wissenschaftlichen Mitarbeitern kurz in die Thematik, Struktur der DNA, und die angemessenen Verhaltensweisen im XLAB eingeführt, aber dann sofort an die Mikroskope gelassen, um paarweise unsere eigene Mundschleimhaut zu untersuchen, was wir schon aus dem Unterricht kannten. Anschließend wurde es spannend: Nun wollten wir unsere DNA aus Mundschleimhautzellen isolieren und sie dann in einen mit farbiger Glycerinlösung gefüllten Kettenanhänger fixieren. Als sehr langwieriger und austrocknender Prozess erwies sich dabei das Sammeln von 5ml eigenem Speichel, der nicht nur aus Bläschen bestehen sollte... Nach ein paar weiteren Schritten konnte dann jeder mehr oder weniger erkennbar seine eigene, isolierte, weiß-flockige DNA im Kettenanhänger in der Hand halten - das Motto dieses Projektes "DNA zum Anfassen" war demnach treffender für diesen Nachmittag als wir es vorher gedacht haben.

Am Abend erwartete uns dann eine Stadtführung für Nachtschwärmer, die uns vom historischen Alten Rathaus bis zum Kleinen Ratskeller und der Gaststätte Zum Schwarzen Bären führte, in der schon Bismarck zu Studentenzeiten ordentlich gefeiert hatte. Uns wurde weiterhin die Geschichte Göttingens als Universitätsstadt nahe gebracht und die Tradition der Gänseliesel erzählt, die demnach von jedem frisch gebackenen Doktor, egal welcher Fachrichutng, zum Dank geküsst werden muss. Nach der Stadtführung konnte jeder den Tag aus seine Weise in den vielen Kneipen Göttingens ausklingen lassen. Um Mitternacht war jedoch in der Jugendherberge für jeden Zapfenstreich.

Am nächsten Morgen begannen wir im XLAB dann mit unserem Hauptthema für die nächsten zwei Tage, nämlich der molekulargenetischen Analyse eines Gendefekts am Beispiel der Sichelzellenanämie, einer seltenen Krankheit, bei welcher die Erythrozyten, die roten Blutkörperchen, durch einen Defekt der Gene deformiert und daher nicht voll funktionsfähig sind. Nach einer kurzen theoretischen Einführung, wurden wir paarweise auf die Arbeitsplätze im Labor verteilt. Ziel von jedem Pärchen war es, herauszufinden, ob die ausgeteilten Bakterienstämme einen Gendefekt haben und somit an der Sichelzellenanämie erkrankt sind oder keinen Gendefekt aufweisen und damit auch nicht krank sind. Dazu mussten wir die Bakterien-DNA zunächst in mehreren Teilschritten isolieren und reinigen. Bevor dann die DNA mit Hilfe der PCR-Methode über Nacht vervielfältigt werden konnten, mussten wir verschiedene Pufferlösungen und Enzyme zu der isolierten DNA hinzugeben. Die PCR (Polymerase Chain Reaction)- Methode, auch Polymerase-Kettenreaktion genannt, bezeichnet einen Prozess, in dem ein ausgewählter DNA-Abschnitt mithilfe von Enzymen und bestimmten Temperaturwechseln beliebig vervielfältigt werden kann. Diese Vervielfältigung ist notwendig, da man für die Untersuchung von DNA viel genetisches Material braucht, dies allerdings oft nur geringfügig vorhanden ist. Daher kommt die PCR-Methode bei fast allen gentechnischen Arbeiten, z.B. in der Medizin und der Kriminalistik, zur Anwendung.

Während "unsere" DNA also die Polymerase-Kettenreaktion durchlief, verließen wir das Labor und bereiteten uns in der Jugendherberge auf eine Kneipenführung vor, die ein ehemaliger Schüler der Brede, der Physik-LK bei Herrn Bischoff hatte und nun in Göttingen Physik studiert, leitete. Dieses Angebot wurde auch von einigen ausgiebig genutzt, was am nächsten Tag zu müden Gesichtern und allgemeiner Schläfrigkeit bei der Theorie führte, obwohl es bei unserem Versuch nun wirklich spannend wurde: wir waren dem Ergebnis der Untersuchung und damit der möglichen Diagnose zum Greifen nah. Zunächst musste jedoch nach einigen kleinen Teilschritten mit unser vervielfältigten und durch Restriktionsenzyme in Fragmente geschnittenen DNA die Gel-Elektrophorese durchgeführt werden, bei der die leicht negativ geladenen DNA-Fragmente ein Gel aus Agarose durchwandern, da an dessen Enden eine Spannung angelegt ist und es somit eine Katode, der negative Pol, und eine Anode, der positiven Pol, gibt. Die kleinen DNA-Stücke wanderten schneller zum Plus-Pol und somit entstand das typische Bandenmuster, welches viele z.B. aus dem Fernsehen bekannt sein wird. Durch eine spezielle Einfärbung und UV-Licht, wurden die DNA-Banden sichtbar gemacht und jedes Team konnte so ablesen, ob seine Bakterien krank waren oder nicht oder ob während des Versuches alles richtig gemacht wurde, so dass man nun überhaupt etwas sehen konnte.

Nach einem theoretischen Abschluss wurden wir und die anderen LKs aus dem XLAB entlassen und konnten die Heimreise antreten. Alles in allem waren es drei sehr lehrreiche Tage, auch wenn im Vorfeld wohl kaum ein Schüler wirklich begeistert von der Vorstellung war drei Tage in Göttingen im Labor arbeiten zu müssen, während die LK-Kollegen vom PLG sich in Prag vergnügten und andere Mitschüler nach München fuhren. Dennoch hat die Fahrt nach Göttingen sich gelohnt, da sie uns einen guten Einblick in das Studentenleben und unsere mögliche Zukunft gegeben hat. Daher können wir allen kommenden Bio-LKs dieser Schule nur empfehlen, irgendwann auch ein paar Tage im XLAB zu verbringen!

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