MdB Jürgen Herrmann besucht die Brede

"Politik live" in der Aula der Brede mit dem Bundestagsabgeordneten Jürgen Herrmann

von Andreas Ebeling

Jürgen HerrmannAm 11. Juni 2003 kamen alle Schüler der Jahrgangsstufe 10 des Gymnasiums Brede in der Aula der Schule zusammen, denn die folgenden zwei Schulstunden boten eine ganz besondere Gelegenheit: Anstatt im Politikunterricht die Staatsorgane der Bundesrepublik auswendig zu lernen, das Prinzip der Gewaltenteilung und die Anwendung der Demokratie zu büffeln, sollten die Schüler in der vor ihnen liegenden Doppelstunde die einmalige Möglichkeit bekommen, Politik live zu erleben und mit dem Bundestagsabgeordneten, Herrn Hermann (CDU), über das Leben eines Abgeordneten und aktuelle politische Themen, wie dem Irak Krieg, die Bundeswehr und andere Themen, die die Schülern bewegten, zu diskutieren.

Aber erst einmal stellte sich Herr Hermann ausführlich vor. Jürgen Herrmann, 40 Jahre, glücklich verheiratet, 2 Kinder, ist zur Zeit der einzige Abgeordnete des Wahlkreises Höxter-Lippe II. Er nimmt seine Pflichten sowohl als Bundestagsabgeordneter als auch als Vertreter der Mitbürger seines Wahlkreises sehr ernst. Deshalb muss er häufig zwischen Brakel und Berlin mit dem Zug hin und herpendeln.

Viele Menschen glauben, so ein Bundestagsabgeordneter hätte ein ruhiges Leben. Ab und zu mal ins Parlament gehen - wenn überhaupt - und ansonsten viel Freizeit haben, sagte Herr Hermann. Aber das ist garantiert nicht so. Er zeigte uns an einer typischen Woche, dass ein Arbeitstag eines Abgeordneten auch mal 12 - 16 Stunden dauern kann.

Wenn er Montags in seinem Büro in Berlin ankommt, arbeitet er als Erstes die Post durch, die seine Mitarbeiter für ihn bereit gelegt haben. Er bekomme viele Informationen aus den verschiedenen Ministerien, wobei ihm besonders die Infos aus dem Verteidigungsministerium interessierten, weil er im Verteidigungsausschuss des Bundestages arbeitet. Seine Mitarbeiter, ein Jurist und eine Wirtschaftswissenschaftlerin, bereiten für ihn oftmals Reden vor, die er dann noch einmal durcharbeitet. Abends ist dann meistens die Landesgruppensitzung der CDU, bei der die Debatte aller Parteien im Bundestag vorbereitet wird. Die folgenden Tage sind mit Plenarsitzungen, Fraktionsbesprechungen, Gremien und seiner Arbeit im Verteidigungsausschuss gefüllt. Auch abends bleibt ihm oft keine Freizeit, denn dann stehen gesellschaftliche Veranstaltungen an. Aber dennoch nimmt er sich einmal pro Woche Zeit für sein Hobby: Fußball. An einem Abend in der Woche spielt nämlich der 1. FC Bundestag, bei dem nur Abgeordnete das runde Leder kicken dürfen.

Am Freitag Nachmittag packt unser Bundestagsabgeordneter seine Koffer und fährt nach Hause zu seiner Familie. Allerdings fährt er nicht in das wohl verdiente Wochenende, sondern arbeitet im Kreis Höxter mit seinen 2 Mitarbeitern, Frau Bettina Struk-Evertz und Herrn Kozmanov, weiter. Herr Kozmanov ist mit einem Austauschprogramm des Bundestages von Bulgarien nach Deutschland gekommen, um neue Ideen für die sich in Bulgarien im Aufbau befindende Demokratie zu sammeln. Es kommt nicht selten vor, dass Jürgen Herrmann ein Schützenfest besucht und ein wenig unter die Leute geht. "Haben sie keine Angst, mich anzusprechen. Es ist wichtig, dass man sich mit seinem Abgeordneten unterhält, nur so kann Demokratie funktionieren", meinte er.

Auf die Frage, wie viel so ein Bundestagsabgeordneter denn an Diäten bekäme, antwortete er, dass ein Bundestagsabgeordneter 7000 im Monat bekomme, ihm allerdings das Geld abgezogen werde, falls er zu seinen Sitzungen nicht erscheine.
Nach der Zeit eines Abgeordneten im Bundestag, bekommt man noch 4 Monate lang seine Diäten und muss danach in seinen alten Job zurück. Falls man diesen für die Politik aufgegeben hat, hat man eine Versorgungslücke. Glücklicherweise sei das für ihn kein Problem, weil er ja Polizist sei und ein Beamter in seinen alten Job ohne Probleme zurück könne.

"Aber wie kommt denn ein Polizist in den Bundestag?", fragte ein Schüler.
"So etwas geht natürlich nicht von heute auf morgen", meinte Jürgen Herrmanns. Er sagte weiter, dass er die Politik immer als Hobby empfunden hat und schon mit 16 in die Junge Union, die Jugendorganisation der CDU, gegangen ist. Es hat lange gedauert bis er von der CDU aufgestellt wurde und es war vor allem ein teueres Hobby für ihn.
"Aber es ist schon schön, sein Hobby zum Beruf zu machen", lächelte er zurück.

Dann schellte es, die Doppelstunde war viel zu schnell vorbei, als dass jeder Schüler seine Fragen hätte stellen können.
"Aber ich habe noch eine Bitte an euch!", sprach Herr Herrmanns, "Ich würde mich freuen, wenn ich den einen oder anderen in der heimischen Politik wiedersehen würde, denn nur so funktioniert Demokratie. Informieren Sie sich, sprechen Sie mit den Abgeordneten, denn Sie gestalten die Zukunft."
Dann klatschten alle Schüler Beifall und Jürgen Herrmanns bedankte sich für die Aufmerksamkeit.


Zur Information: juergen.herrmann@bundestag.de
http://www.juergen-herrmann.com