Am 22.01.2000 berichtet die Neue Westfälische über
Hilfe für Partnerschule in Nepal
Hilfsbereit: Schwester Maria-Theresia von den "Armen Schulschwestern"
überreicht ihrer Ordensschwester Janet Tanaka eine kleine Geldspende der
Klasse 6 des Gymnasiums Brede für eine Partnerschule in Bandipur/Nepal
(Foto: Johannes Tenge)
Hilfe für Partnerschule in Nepal
Von Johannes Tenge
Brakel. Besuch aus weiter Ferne im Gymnasium Brede in Brakel: Für zwei
Tage hält sich Schwester Janet Tanaka vom Orden der "Armen
Schulschwestern" in der Nethestadt auf. Die gebürtige Japanerin hat den
Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums über eine Partnerschule im
nepalesischen Bandipur berichtet, die unter anderem mit finanzieller
Unterstützung der Brede errichtet worden war. Bis heute wird das
Schulprojekt in dem kleinen hinduistischen Königreich von den "Armen
Schulschwestern" betreut.
Angefangen habe alles vor rund 15 Jahren, erzählt Schwester Maria
Theresia von den "Armen Schulschwestern" in Brakel. 1985 ist in dem
kleinen Bergdorf Bandipur, etwa vier Autostunden von der nepalesischen
Hauptstadt Katmandu entfernt, die Notre Dame Schule errichtet worden,
die seitdem eine Schulpartnerschaft mit der Brede pflegt. Die Initiative
hierzu sei von Schwester Diemut vom Brakeler Orden ausgegangen, erinnert
sich Schwester Maria Theresia.
Mehrere Male seien in den vergangenen Jahren von Schwester Diemut
Spenden gesammelt und dem Schulprojekt überwiesen worden. So konnte 1992
unter anderem mit Hilfe dieser Geldspenden ein neues Schulgebäude in
Bandipur gebaut werden; 1997 ist die Grundschule der Notre Dame Schule
zudem um ein Junior College, vergleichbar mit der gymnasialen Oberstufe,
erweitert worden. Ebenfalls 1997 veranstaltete die Brede einen so
genannten "sponsored walk", bei dem die teilnehmenden Schüler nach
Angaben von Schulleiter Friedhelm Molitor rund 17.000 Mark erwanderten.
Auch dieses Geld ist dem Schulprojekt in Bandipur zu Gute gekommen, wie
Molitor betont. Heute werden in der Notre Dame Schule fast 600 Schüler
unterrichtet.
Ich bin hier hergekommen, damit wir uns kennenlernen und um mich für die
materielle und moralische Unterstützung zu bedanken", sagt Schwester
Janet den Schülern der Klasse 6b der Brede. Die zierliche Frau
unternimmt derzeit eine kurze Tour durch mehrere Jahrgangsstufen des
Gymnasiums. Wenn sie in ihrem akzentgefärbten Englisch von ihren
Erfahrungen im nepalesischen Hochland erzählt, herrscht Stille in den
Unterrichtsräumen der Brakeler Schule. Gebannt lauschen die Schüler
Schwester Janets Bericht über eine für sie fremde Welt.
"Die nepalesische Regierung tut nicht viel für die Erziehung der Armen",
erzählt Schwester Janet. Es gebe große soziale Ungerechtigkeit durch das
hinduistische Kastensystem; dieses sei in Nepal offiziell zwar
abgeschafft, bestimme aber nach wie vor das Denken vor allem der armen
Landbevölkerung. "Frauen und Mädchen stehen in dieser Rangordnung
oftmals unterhalb von Tieren", kritisiert Schwester Janet insbesondere
die archaische Einstellung vieler nepalesischer Männer gegenüber dem
weiblichen Geschlecht. "Wir wollen den Männern zeigen, dass Frauen
infolge von Erziehung etwas leisten können und dementsprechend etwas
wert sind", so die Ordensfrau. Besonders wichtig für die erzieherische
Arbeit der "Armen Schulschwestern" in Bandipur sei, dass sich die
Anhänger der unterschiedlichen Religionen gegenseitig akzeptieren und
respektieren. Für die Schüler in Bandipur sei zudem vor allem die
Erfahrung pädagogisch sehr wertvoll, dass fremde Menschen für sie Geld
oder Gegenstände spenden. "So lernen sie gegenseitige Fürsorge, die in
Nepal sonst kaum praktiziert wird", sagt Schwester Janet.
Morgen wird die Ordensfrau in die USA fliegen, wo sie derzeit ein so
genanntes Sabbatjahr verbringt. Im Mai dieses Jahres wird sie dann
voraussichtlich zurück nach Nepal gehen.